Claustrum – ein Spaziergang

©lerjentours

Nach einer Residency 2019 kehrte lerjentours 2025 ins Kloster Dornach zurück. Sie lud zu einem Walk, der sich mit den Klostermauern auseinandersetzte.

Das lateinische Wort «Claustrum», aus dem sich der Begriff «Kloster» entwickelt hat, bezeichnet einen abgeschlossenen Raum. Auch in Dornach trennt eine hohe Mauer den Klosterbereich von seiner Umgebung – doch was bedeutet diese Grenze für unsere Wahrnehmung? lerjentours lud zu einem körperlich-sinnlichen Spaziergang ein, bei dem die physische und symbolische Dimension dieser Umgrenzung erkundet wurde. 

Samstag, 18. Oktober 2025, 14 Uhr
Treffpunkt: Klosterpforte neben der Kirche, Kloster Dornach, Dornach
Dauer: 1.5 Stunde, anschliessend kleiner Apéro

Mit Wand-Installation im Kreuzgang des Klosters.

Im Rahmen des Kulturprogramms der Stiftung Kloster Dornach: Holy Wow! Den Klostergarten neu entdecken

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«Grau, grün, rauh, fein, kalt, warm / Düfte / Rot, gelb, Nagel, Eisen, Marienkäfer / Luft / Braun, blau, Wind, leise, Apfel / Ruhe / Bunt, ’schräg‘, summen, brummen / Gehen, ersehen, erspüren, gehen, erleben, erfahren, gehen … gehen … sein.»

«Ich danke Dir für den Spaziergang – entlang der Klostermauer in Dornach – das war sehr erfüllend – ich war ganz still und bei mir und konnte gut den Aussen- und Innenraum (ausserhalb des Klostergeländes und innerhalb desselben) verorten. Eine Ruhe, eine Orientierung gab mir die Mauer – und sie trug verschiedene Stimmungen, unterschiedliche Ab- und Eindrücke – je nach Areal – in sich. Mein Aha-Moment war: Den Innenraum können wir gestalten, einen Garten des Paradieses schaffen. Der Aussenraum ist von vielen Faktoren – der Mitwelt – geprägt. Kann ich das Innen und Aussen durch meine ästhetische Praxis zu einer einheitlichen Welt bringen?»

Notizen von Teilnehmer*innen

Vom Verschwinden – ein Stadtspaziergang

Die Varianten des Verschwindens sind vielfältig. Etwas verschwindet plötzlich, etwas allmählich, etwas spurlos und etwas nur teilweise. Etwas ist, obschon verschwunden, noch da, aber unsichtbar, wie das Wandbild, das überwachsen ist, oder der plattgedrückte Kaugummi, der übermalt wurde. Menschen, Tiere, Gebäude, Dinge, aber auch Funktionen und Gebräuche können im Stadtraum verschwinden. Das «Cabaret Voltaire» war schon verschwunden und existiert doch heute noch. Das Haus «Zum Mohrentanz» heisst noch so, aber wird diese Bezeichnung bald verschwinden? lerjentours lud zu einem Spaziergang auf den Spuren des Verschwindens durch die Zürcher Altstadt.

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Mit 100 auf dem Schneckenweg – die Spaziergangswissenschaft geht 2025 in Davos auf die Strasse

Der Schweizer Soziologe Lucius Burckhardt wurde 1925 in Davos geboren. Das Automobil begann die Welt zu erobern, aber noch nicht den Luftkurort in den Bergen. Seit 1900 galt ein generelles «Autoverbot» in Graubünden. Burckhardt kam zwischen zwei Volksabstimmungen zur Welt. Im Januar 1925 hiess es noch «Nein» zum Auto, im Juni dann «Ja». Seit 100 Jahren ist das private Automobil in Graubünden zugelassen. Mit den Auswirkungen des Automobils auf unsere Lebenswelt hat Burckhardt sich fortwährend auseinandergesetzt. In den 1980er Jahren entwickelte er mit seiner Frau Annemarie Burckhardt-Wackernagel, seinen Studierenden der Landschaftsplanung und eingeladenen Künstler*innen in Kassel die «Spaziergangswissenschaft», auch «Promenadologie» genannt. Die Spaziergangswissenschaft hinterfragt auf fussgängerisch-experimentelle Weise unsere Wahrnehmung der Umwelt. «100 Jahre Lucius und Annemarie Burckhardt» und «100 Jahre Automobil in Graubünden» nahmen der Spaziergangswissenschaftler Christian Ratti und die Spazierkünstlerin Marie-Anne Lerjen zum Anlass für einen Versuch in Davos: Lässt sich die (stark befahrene) Promenade in Davos «promenadologisch» erkunden? Beim Versuch mit dabei: eine winzige Schnecke aus der Sammlung, die Burckhardt in seiner Jugend in Davos angelegt hat. Ein Spaziergang auf der Davoser Promenade zwei Tage vor dem World Car-Free Day.

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The Closing Round / Die Schlussrunde

Vom 5. bis 7. September 2025 wurde in Tenna (Safiental CH) das Gehen «als künstlerische Praxis, räumliche Erfahrung und erkenntnisstiftende Methode im Geist von Lucius Burckhardt» untersucht und diskutiert. Das Institute for Land and Environmental Art (ILEA) hatte dort zur transdisziplinären Tagung «Walking – Denken in Bewegung» eingeladen. Am Sonntag nahm lerjentours die Teilnehmer*innen auf eine gemeinsame «Schlussrunde» mit und führte sie mit einer Choreografie des wandelnden Gedankenaustausches durch die frische Bergluft.

The Closing Round / Die Schlussrunde
Sonntag, 7. September 2025, 14-15.30 Uhr
Tenna, Safiental

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«You walk alone. And when the bell rings, suddenly the presence of an other person appears. When 4 eyes meet, conversation starts. When the conversation reaches the just moment, the bell rings again, and it ends. The talks that ended, split into pieces and remained at each one’s heart.»

«walk the talk. and when no talk, words, suspended in the air, in the in-between, send out their meanings.»

«Hearing my steps in other’s feets. Hearing my thoughts in other’s words.»

«Gehen Verbinden Schweigen Gehen Verbinden Loslassen Schweigen Gehen … Lebendigkeit»

«Sequenzen öffnen und schliessen.»

«I liked from the walk this idea of the cliffhanger.»

Notizen von Teilnehmer*innen

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The Closing Round, Foto: Lewis Beauchamp

Adliswil Walks #1 + #2

Zeichnung: Peti Wiskemann

Ein Spaziergang kann viel! Wenn wir zu Fuss unterwegs sind, können wir lustvoll die Welt durchstreifen, Unerwartetes erleben, Entdeckungen machen und mit anderen ins Gespräch kommen. Alle Sinne sind dabei im Einsatz. Unter der Leitung von lerjentours wurde Adliswil in zwei gemeinsamen Spazierexperimenten spielerisch erkundet.

Adliswil Walk #1: Tastendes Ohr
Samstag, 6. September 2025, 14.30 Uhr
Treffpunkt: SZU-Haltestelle Sihlau, Adliswil
Dauer: 1.5 Stunde, anschliessend Apéro.

Adliswil Walk #2: Sehender Fuss
Samstag, 27. September 2025, 14.30 Uhr
Treffpunkt: ÖV-Haltestelle Grüt, Adliswil
Dauer: 1.5 Stunde, anschliessend Apéro

Organisiert von der Gemeinwesenarbeit Stadt Adliswil.

Foto: Nakarin Saisorn

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«Nochmals herzlichen Dank, dass ich letzte Woche am Adliswil Walk dabei sein durfte. Es hat mir grossen Spass gemacht und ich habe den Anlass als sehr bereichernd empfunden. Besonders gut gefällt mir, wie es Marie-Anne mit ihrer Methode gelingt, Menschen zu überraschen, so dass sie auf sehr unkomplizierte Art und Weise miteinander in Kontakt und ins Gespräch kommen.»

«Mir hat der Walk ausserordentlich gut gefallen und ich denke noch immer gerne daran. Dies da er einerseits durch das gewählte Quartier/Umgebung und die verschiedenen Gangarten sehr inspirierend war, andererseits weil wir auf sehr unkomplizierte Art und Weise direkt miteinander in Kontakt gekommen sind. Wir sind einander auf Augenhöhe begegnet und konnten die gemachten Bekanntschaften beim sympathischen Apéro vertiefen. Das Spazieren/Gehen erweist sich als äusserst zugänglich und erst noch erstrebenswert für Menschen jeden Alters. Es wäre wahrscheinlich sogar möglich, dass auch Menschen mit Beeinträchtigungen bspw mit_rollen könnten. Ich gratuliere Ihnen zu diesem äusserst gelungenen Austausch- und Adliswil-Kennenlern-Format!»

Feedback von Teilnehmer*innen

Zu den Sternen

«Eines nachts, sternklarer Januar, habe ich Vater und Mutter auf die Gürtelsterne von Orion gesetzt, Vaters liebstes Zeichen am Winterhimmel», so schreibt der junge Erzähler in Klaus Merz’ Roman «Jakob schläft» (1997). Der Nachthimmel und insbesondere der Orion spielen eine wichtige Rolle in dieser kurzen Familiengeschichte. Auch am Herbsthimmel über Zürich zeigt sich das Sternbild des Orion. Im Rahmen der Ausstellung «Merz Welt» der Galerie Litar in Zürich lud lerjentours zu einem Schreib-Walk-Shop, auf dem wir uns auf einem Abendspaziergang vom Nachthimmel zu Wortfolgen inspirieren liessen. Schreiberfahrung war für eine Teilnahme nicht notwendig. Es brauchte auch keine Kenntnisse von Klaus Merz’ Text.

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der duft von allem. eine begehung

Auf dem Bauernhof Schneit in Oberägeri nistete sich vom 21. bis 24. August 2025 die Kunstausstellug «der Duft von Gras» ein. Malerei, textile Arbeiten, Installationen, Fotografien, Video und Performances transformierten den Hof in einen Ort der Kunst. Kuratiert wurde die Ausstellung von Marilou Hürlimann und Sibylle Meier. lerjentours war mit einem Walk und einem Score dabei. Dem Ausstellungsthema entsprechend hiess es «Nose first». Anlässlich der Vernissage der Ausstellung nahmen wir auf zwei gemeinsamen Schnuppergängen den Ort minuziös unter die Nase.

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WAC – Weather Walk

Seit 2019 finden alle zwei Jahre die International Prespa Walking Arts Encounters in Nordgriechenland statt (WAC). Bereits 2019 war lerjentours vor Ort dabei. 2021 organisierte sie gemeinsam mit Künstlerin Simone Etter coronabedingt einen HUB in Zürich. 2025 nahm sie zum zweiten Mal vor Ort teil. Dieses Mal lud sie zum «Weather Walk», auf welchem herbstliches Appenzeller-Wetter mit der heissen griechische Sommerlandschaft überlagert wurde.

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Stadt statt Autos – Jane’s Walk 2025

Time Travel: Hamburg Holstenplatz by Jan Kamensky, CC BY-NC-SA 4.0

Lässt sich eine Stadt ohne Autos denken? Wie würde eine autofreie Stadt aussehen? Mehr Platz für Fussgänger*innen, verbesserte Luftqualität, weniger Lärm, soziale Treffpunkte. Wir waren unterwegs im Pilot «Quartierblock», schnüffelten zum letzten Mal Benzin an der Tankstelle, hörten von der Verkehrswende-Initiative und diskutierten mit Gesprächspartner*innen über diese Fragen.

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Eiger Walk

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «OPEN*AFF» von «Affspace – Offspace für Architektur» und «Open House Bern» lud lerjentours zu einem Erkundungsexperiment entlang der viel befahrenen und von Grossbauten flankierten Eigerstrasse in Bern. Ein ungewöhnlicher Sonntagsspaziergang.

Sonntag, 13. April 2025, 11 Uhr
Treffpunkt: Eigerstrasse 82, Bern
Dauer: 1 Stunde
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